Ein Rechenzentrum ist ein hochsensibles Gebilde. In den über 3.000 Zentren mit mehr als 40 kW IT-Anschlussleistung in Deutschland werden Millionen von Websites sowie immens hohe Datenmengen verarbeitet. Ein Rechenzentrum beherbergt aber nicht nur Rechentechnik, also Computer, Speicher oder Netzwerkkomponenten, sondern auch Infrastruktur wie Stromversorgung, Kühlaggregate oder Zutrittsschutz. Dies alles sind empfindliche und störungsanfällige Strukturen. Darum sind Rechenzentren auch besonderen Risiken ausgesetzt: Cyberangriffe, Vandalismus, Diebstahl, Zerstörung von Servern oder Brandstiftung. Aber auch Wetterrisiken wie Überschwemmungen, Erdbeben oder Hitzewellen sind nicht zu unterschätzende Risiken. Die gravierendste Gefahr geht aber in erster Linie von Elektrobränden aus. Laut statistischen Zahlen stehen sechs Prozent der Infrastrukturausfälle in Rechenzentren mit Feuer in Verbindung. So geht etwa auch der Großbrand in einem Straßburger Rechenzentrum im März 2021 auf Sicherheitsmängel zurück. Allein durch die komplette Zerstörung durch das Feuer wurden über 3,6 Millionen Websites für immer gelöscht. In erster Linie handelte es sich dabei um Elektrobrände, die mit einer durchdachten Planung und regelmäßigen Wartung in vielen Fällen hätten vermieden werden können.

Eine hohe elektrische Leistungsdichte, Wärmeentwicklung und zahlreiche technische Schnittstellen machen eine sorgfältige Brandschutzplanung notwendig. Risiken werden für Stromversorgung, IT, Batterien, Notstromtechnik und Nebenräume gemeinsam bewertet. Ein einzelnes Löschmittel oder ein Handfeuerlöscher ersetzt kein abgestimmtes Schutzkonzept.
High Knowledge bezieht Brandschutz in die Planung und Inbetriebnahme der Rechenzentrumsinfrastruktur ein. Dazu gehören die Schnittstellen zwischen baulichen Maßnahmen, Erkennung, Alarmierung, technischer Abschaltung und Löschung. Umsetzung und Betrieb richten sich nach dem genehmigten Konzept und den Anforderungen an die beteiligten Fachunternehmen. Maßnahmen zur Brandbekämpfung setzen geeignete Unterweisung und ein sicheres Vorgehen voraus.
Brandschutz gliedert sich in passive und aktive Bestandteile
Dafür braucht es neben der Planung und Anordnung des Rechenzentrums auch ein Brandschutzkonzept, das ständig auf dem aktuellen Stand gehalten wird. Dazu gehört eine lückenlose und dauerhafte Wartung sämtlicher Komponenten, wenn die Einrichtung in Betrieb ist. Vorher gilt es aber in der Planung, alle aktiven und passiven Brandschutzlösungen zu implementieren. „Wichtig ist, dass alle Räume im Rechenzentrum voneinander abgegrenzt sind. Insbesondere F90-Brandschutzwände und –türen müssen zu diesem Zweck eingeplant und verbaut werden“, so Vogt. Werden Kabel durch die einzelnen Räume gezogen, muss sichergestellt sein, dass Schotte und Kanäle absolut dicht sind. Das muss nicht nur bei der Planung bedacht, sondern später auch im Betrieb immer gewissenhaft kontrolliert werden. „Ganz entscheidend ist auch der menschliche Faktor“, mahnt Vogt. „So dürfen Türen beispielsweise nicht durch Keile offengehalten werden. Es muss stets dafür Sorge getragen werden, dass Türen geschlossen bleiben und kein Durchzug entsteht, der möglichen Bränden ihren benötigten Sauerstoff zuführt.“ Spezielle Alarmsysteme melden so z.B., wenn im Rechenzentrum eine Tür nicht geschlossen ist, um die Risiken von Durchzug zu unterbinden.
Daneben gehört zu den aktiven Brandschutzlösungen ein vorausschauendes Kältekonzept, das auch bestimmte elektrische Anlagen bei einem Feuer ausschalten kann, wie etwa die Umluftzirkulation. Weiter werden eine Lösch- und eine Brandmeldeanlage verbaut. Diese technischen Systeme müssen jedoch durchgehend überwacht und gewartet werden. „Durch ein ständiges Monitoring wird die Brandgefahr entscheidend gemindert“, so Vogt.
Durchdacht planen und sicher ausführen
Die Planung und Installation einer effektiven Brandschutzanlage für Rechenzentren sollte nur von geschultem Personal übernommen werden. Denn nur wer nach DIN 14675 in Deutschland zertifiziert ist, darf solche Arbeiten durchführen. Es ist wichtig, dass bei der Planung nicht nur der reine IT-Raum in die Überlegungen miteinbezogen wird, sondern auch alle angrenzenden Räume. Dadurch steigt auch die Zahl der Brandmelder und das gesamte Rechenzentrum kann in drei sogenannte Überwachungszonen eingeteilt werden:
- Zone 1 beinhaltet zur Beobachtung den IT-Raum selbst, also den Serverraum
- Zone 2 deckt sämtliche Nebenräume des Serverraums ab
- Zone 3 überwacht die Räume unterhalb und oberhalb des IT-Raums
Zudem müssen sämtliche Rauchmelder spätestens nach acht Jahren komplett ausgetauscht werden um zu verhindern, dass sie beispielsweise durch Staub verschmutzt werden, wodurch sie nicht mehr einwandfrei funktionieren. „Der bloße Ersatz der Melder stellt dabei jedoch eine erhebliche Umweltbelastung dar, wenn die alten Melder entsorgt werden“, weist Vogt auf die damit verbundenen Konsequenzen hin. Stattdessen sollten Brandmelder komplett gereinigt werden, um sie nachhaltig und störungsfrei wieder einsetzen zu können.
Das Herz eines effizienten Brandschutzes in einem Rechenzentrum bildet die Brandmeldezentrale (BMZ). Diese muss intelligent aufgestellt werden – am besten zentral am Eingang des Gebäudes, um der Feuerwehr bei einem Brand eine direkte Anlaufstation zu bieten. Diese Zentrale sollte darüber hinaus modular aufgebaut sein, sodass sie stetig erweitert und modernisiert werden kann. Denn ein Rechenzentrum kann über die Jahre aufgrund der stetigen Nachfrage nach höherem Datenvolumen wachsen und die Brandmeldezentrale muss daher neue Systeme und Räumlichkeiten erfassen.
Im bestmöglichen Fall muss die Feuerwehr jedoch gar nicht erst zum Einsatz eilen, wenn dank durchdachter Brandschutzlösungen kleinere Brände bereits schnell erkannt und selbst gelöscht werden können. Dazu muss allerdings immer ein geschulter Mitarbeiter vor Ort sein, der eigenständig die richtigen Entscheidungen sicher treffen kann. Trotzdem ist ein enger Austausch mit der Feuerwehr wichtig. So muss unter anderem das Brandmeldeanlagenkonzept von der Feuerwehr geprüft und freigegeben werden. „Unter dem Strich sollte aber immer stehen, dass sich das Rechenzentrum praktisch selbstständig löschen kann“, unterstreicht Harry Knopf, Geschäftsführer von High Knowledge.
Das richtige Löschmittel
Brandschutz gehört von Beginn an zur Rechenzentrumsplanung. Bauliche Trennung, Brandfrüherkennung, geeignete Löschtechnik und organisatorische Maßnahmen müssen zusammenwirken. Welche Systeme sinnvoll sind, ergibt sich aus Brandlasten, Raumnutzung, Personenschutz und dem abgestimmten Brandschutzkonzept.
Sauerstoffreduktions- und Gaslöschanlagen benötigen eine fachgerechte Auslegung sowie definierte Zutritts-, Alarmierungs- und Betriebsregeln. Aus einem einzelnen Sauerstoffwert lässt sich keine allgemeine Garantie ableiten, dass ein Brand ausgeschlossen ist. Löschmittel werden anhand ihrer Eignung, der Produktdaten und der aktuellen Anforderungen bewertet; pauschale Aussagen wie „umweltverträglich“ oder „nicht gesundheitsschädlich“ sind hierfür ungeeignet.
Nach einem Brand oder einer Auslösung sind die vorgesehenen Prüfungen und Freigaben erforderlich. Eine sofortige uneingeschränkte Nutzung kann nicht allgemein zugesagt werden. Betrieb, Wartung und Wiederanlauf werden deshalb bereits in der Planung berücksichtigt.
Fazit
Ein durchdachtes Brandschutzkonzept soll Brandentstehung, Ausbreitung und Folgeschäden begrenzen. Es verbindet bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen mit Wartung, Unterweisung und einem geregelten Wiederanlauf. High Knowledge berücksichtigt diese Anforderungen in der Infrastrukturplanung und stimmt die Schnittstellen mit den beteiligten Fachplanern und zuständigen Stellen ab. Vollständige Schadensfreiheit oder ein ausfallsicherer Betrieb lassen sich daraus nicht garantieren.
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